Neue Brücken Verbinden Dörfer

Wiederherstellung von Brücken zum zentralen Markt

Vor dem Hintergrund einer von der liberianischen Village-People-Empowerment-Gruppe in Kooperation mit Liberia Freunde e.V./Wiesbaden durchgeführten Konferenz über gemeinsame Infrastrukturmaßnahmen, zu der insgesamt rund 50 Repräsentanten aus 16 Dörfern der Region Konjorlloe im März 2019 erschienen waren, wurde im Juli 2019 ein gemeinsames Brückenbauprojekt realisiert. Zwei Brücken waren seit knapp zwei Jahren nicht mehr befahrbar, so dass für zahlreiche Bauern der Region ein Verkauf ihrer Agrar-produkte und die Versorgung der Bevölkerung gravierend eingeschränkt waren. DIe gemeinschaftliche Wiederherstellung der beiden Brücken war unter Leitung des sehr angesehenen, hochtrangigen Schmieds der Region Foya, Chief Blacksmith Tamba Gboyo, 55, aus Sakpawah, in der Folge der Konferenz möglich. Mit seinen Erfahrungen und seinem weiterentwickelten Wissen im traditionellen Brückenbau sowie seinem Ansehen und Geschick der Organisation kommunaler, nicht entlohnter Arbeiten für die Gemeinschaft ist es ihm im Frühsommer 2019 gelungen die Kräfte der betroffenen Dörfer zu vereinen und über 60 arbeitsfähige Männer aus mehreren Dörfern zur Mitarbeit zu überzeugen, um durch die Wiederherstellung der Brücken den Marktzugang aus der Region Konjorlloe zum nächstgelegenen zentralen Markt in Massambolahun wieder zu ermöglichen.

 

Insbesondere die in vielen Dörfern in den letzten Jahren üblichen Konflikte zwischen den alten wohlhabenderen Männern, dem Ältestenrat, und den jungen arbeitsfähigen Männern, der Jugendgruppe, um die Bezahlung der bisher nicht entlohnten Arbeiten für die Gemeinschaft, konnten in diesem Fall ausgeräumt werden. Letztlich können diese gesellschaftlichen Konflikte dauerhaft aber nur gelöst werden, wenn einerseits alle mitmachen, aber auch alle die Entscheidungen in repräsentativer Weise mit vorbereiten und treffen können, und andererseits die Schere zwischen reicheren und ärmeren wieder geschlossen wird. Konjorlloe hat hierzu in einem ersten Schritt bereits ein Dorfentscheidungsgremium geschaffen, in dem Männer, Frauen und Jugend gleichermaßen mitentscheiden. 

Provisorische Brücke aus Baumstämmen bietet die einzige Möglichkeit zur (Auto-)Reise nach Konjorlloe in 2011
Provisorische Brücke aus Baumstämmen bietet die einzige Möglichkeit zur (Auto-)Reise nach Konjorlloe in 2011

Im Jahr 2019 wurden zwei, seit 2 bis 3 Jahren nicht mehr befahrbare Brücken südlich von Konjorlloe als Ausnahmemaßnahme zur Unterstützung der anderen Infrastrukturmaßnahmen wieder in Stand gesetzt. Im Rahmen der ersten Regionalkonferenz in Konjorlloe in 2019, an der Repräsentanten aus insgesamt 16 Dörfern teilnahmen, wurde immer wieder die Notwendigkeit dieser Brücken betont. Da sich der sehr geachtete Schmied aus Sakpawah – nach einer Begehung vor Ort – bereiterklärte, das Vorhaben verantwortlich durchzuführen, konnte die Finanzierungszusage gemacht werden. Daraufhin organisierte der Schmied, der auch der führende Schmied in der gesamten Region ist, und bereits umfassende Erfahrungen gesammelt hatte, wie eine solche Gestaltung vorgenommen werden könnte, im Zeitraum von April bis Juli bis zu 180 Arbeitskräfte aus verschiedenen anliegenden Dörfern für die Rekonstruktionsarbeiten.

 

Mitte Juli 2019 konnte er den Abschluss der Arbeiten verkünden, deren Anforderungen wohl kaum ein anderer aus der Region gewachsen gewesen wäre, da neue Ideen und Erfahrungen in die Maßnahmen einfließen mussten, die den anderen nicht bekannt waren. Gegenüber den zuvor vorgelegten Kostenvoranschlägen von Unternehmen aus Foya konnten durch die lokale Erfahrung und hohe Reputation des Schmieds damit knapp 90 % der Ausgaben eingespart werden.